A.I.–Künstliche Intelligenz ist schon da!

Autor: Prof. Michael Bartz

Sie kommt. Die A.I. – die Artificial Intelligence. Irgendwann. Aber sie kommt. Darüber sind wir uns irgendwie alle einig. Aber wir irren: Sie ist bereits da.

Künstliche Intelligenz ist schon daKurze Nabelschau: Wie schaut das bürgliche Leben in Europa, Nordamerika und Asien aus? Es ist durchdrungen von A.I.. Nutzen Sie Spotify? Wundern Sie sich vielleicht, dass die Musikvorschläge von Spotify mit der Zeit immer besser Ihrem Musikgeschmack entsprechen? Ja. Genau. Das ist A.I.. Das ist die boolsche Verlängerung unserer Synapsen in Spotify hinein. Das ist noch sehr rudimentäre A.I.. Aber es ist A.I. mit der wir – wann immer wir Musik über Spotify – interagieren. In dem Moment bilden sich neue Nervenstränge in der Spotify A.I. aus. Jede Musikstück, das wir anhören trägt dazu bei, dass das System sich unsere Vorlieben merkt und dazulernt, was was uns noch gefallen könnte. – Ein Einzelfall? Nein. Shoppen Sie bei Amazon? Genau derselbe A.I. Effekt – sogar noch vielschichtiger. Auch Amazon enthält bereits die elektronische Verlängerung unser Synapsen. Dadurch wird die Einkaufsumgebung in Amazon für uns über die Zeit immer Attraktiver. Denn um uns herum wird ein virtueller Shopping-Tunnel errichtet, der unseren Blick zwar einengt, was wir nicht wahrnehmen, weil die Wände diese Tunnels mit speziell für unser Gehirn hochattraktiven Warenangeboten gepflastert ist.

Das sind zwei Beispiele relativ weiterentwickelter A.I.. Die Suche in Google kommt als drittes Beispiel für eine hochentwickelte A.I.-Engine hinzu. Oder nutzen Sie ein iPhone und tippen Sie Ihre Nachrichten nicht mehr, sondern nutzen die Speech-to-Text-Funktion. Ich nutze sie schon lange, da ich nie mehr so gut beim Tippen werde, wie meine Teenie-Tochter es auf einer Qwertz-Tastatur bereits ist. Und auch dahinter steckt A.I. – auch, wenn Sie tippen –, denn die künstliche Intelligenz antizipiert bereits ex-ante, welches Wort als nächstes ideal passen würde, da der Gesamtzusammenhang eines Satzes und auch mehrerer Sätze im Hintergrund analysiert wird. – O.K. …das sind jetzt vier Beispiele. Das ist es aber auch dann an A.I. in unserem Leben in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens.

Nein. Beileibe nicht. Surfen Sie im Internet? Hier hinterlassen Sie mit jeder Bewegung Spuren, und sie bewegen sich eingebettet in Ihr elektronisch verlängertes Nervensystem von Cookies, die auch hier einen Comfort-Tunnel persönlich für Sie erschaffen, der Ihre Welt zwar einengt, aber attraktiver macht…Denn die Wände auch dieses Tunnels sind dekoriert genau mit den Angeboten, die Ihrem Gehirn besonders attraktiv erscheinen.

Viele entziehen sich diesem A.I.-Kollektiv, von dem wir bereits umgeben sind, indem alternative Suchmaschinen genutzt werden und ins sogenannte Darknet abgetaucht wird. Für ExpertInnen und Experten mag es hier noch A.I.-freie Zonen zu finden geben. Aber dem durchschnittlich-technikkompetenten Bürger oder der durchschnittlich-technikkompetente Bürgerin gelingt der Ausstieg aus der A.I.-Umgebung, in der wir bereits leben, nicht. Hier heißt es, zumindest das Bewusstsein zu behalten, dass es eine A.I.-Welt ist. Also einen siebten Sinn für A.I. und seine Konsequenzen zu entwickeln. Das ist der siebte Sinn, von dem wir seit Jahrhunderten sprechen, übersetzt in unsere digitale Welt von heute. Doch dieser Sinn wird überlebenswichtig um im Sinne von Kant “der selbst verschuldeten Unmündigkeit” zu entkommen. Das ist eine Arbeit, die wir von jetzt an täglich, wann immer wir uns in unseren A.I.-bestimmten Welten bewegen, leisten müssen. Sonst wird der Tunnel, den die A.I. für uns errichtet, die Autobahn in genau das: “die selbst verschuldete Unmündigkeit”.

Umgekehrt: Wer lernt, mit der elektronischen A.I.-Erweiterung umzugehen, entwickelt einen Hebel – einen Leverage für seine oder ihre Fähigkeiten. Dann wird A.I. zum Human Enhancement. Hier landen wir natürlich direkt in der Diskussion des sogenannten “Transhumanismus”. Ja. Es lässt sich nicht bestreiten. Auch das findet statt “Human Enhancement”, bzw. transhumanistische Weiterentwicklung. – Können wir es aufhalten? Nein. Aber wir können neue Fähigkeiten entwickeln, damit umzugehen. Und warum wird das Funktionieren: Weil das uns Menschen ausmacht. Uns auf neue Herausforderungen einzustellen und daran zu wachsen.

Sie finden den Original-Artikel hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s