New Work Interview

Im August wurden Michael Bartz (Prof. IMC FH Krems) und Thomas Schmutzer (Direktor KPMG) von Carmen Windhaber interviewt. Hier das Interview, das in der September Ausgabe des spendit magazin erschienen ist:

“Kürzlich führten wir einen Lunchtalk mit den beiden Buchautoren Michael Bartz und Thomas Schmutzer zu „New World of Work“ und dem zweiten Werk „Unternehmen der nächsten Generation“. Michael Bartz war langjähriger Industriemanager bevor er 2010 eine Professur an der IMC FH Krems annahm. Er forscht zum Thema „Digital Business Transformation“.  Thomas Schmutzer ist Director bei  KPMG Advisory und Präsident des Next Generation Enterprise Forschungsinstitutes. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung als Technologie- und Organisationsberater beschäftigt er sich mit den Beratungsschwerpunkten Kundeninteraktion, Neue Welt der Arbeit und Transformationen.

Wie ist der Status im Bereich des Neuen Arbeitens – tun wir das Richtige?

Bartz: „ Auf allen Ebenen findet Agilität statt – sowohl bei Arbeitsweisen als auch Organisationsstrukturen sowie agilen Beschäftigungsformen“. Laut Schmutzer beschäftigte man sich vor zehn Jahren noch mit Technologien, vor fünf Jahren mit Gestaltung von Büros und jetzt stehen  Kultur und Mensch im Vordergrund. An der Grund-DNA habe sich allerdings nichts geändert.

Die Frage müsse vielmehr lauten: „Ist das, was wir tun, das Richtige?“ Diese Frage würde nur zu selten gestellt. Schmutzer: „Der Trend wird bestimmt vom War for Talent. Unternehmen sind gezwungen zu handeln, wie zB. Arbeitsweisen zu ändern, Prozesse zu automatisieren oder Robotics einzusetzen. Der große Trend liegt in der Einbindung von künstlicher Intelligenz.“

„Nix ist fix – Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen permanent anpassen“

Bartz: „Nix ist fix – Digitalisierung und Globalisierung führen zur Frage des Überlebens von Unternehmen. Um bestehen zu können, ist es notwendig, Geschäftsmodelle und Arbeitswesen anzupassen.“ Mit seinem neuen Buch Digital Transformation Toolbox gibt er Unternehmen Werkzeuge zur Umsetzung an die Hand. „Mit der Customer Value Roadmap beispielsweise bekommt man Methoden, die Unternehmensstrategie im agilen Prozess ständig zu hinterfragen. Mit einem Agilitätsradar lernen Unternehmen permanent am agilen Strategieprozess zu arbeiten.“

In seiner Vorlesung Digital Leadership vergibt er seinen Studenten Forschungsprojekte mit der mutigen Haltung „wir wissen noch nicht, was raus kommt. Denn so genau kann man heute die Frage noch nicht beantworten, was Digital Leadership ist und wie es zu funktionieren hat.“

Schmutzer: „In der Beratung werden beim Kunden Camp-Formate eingesetzt, um sofort Prototypen und Verbesserungen zu entwickeln, sodass am Ende der Camps fertige Ergebnisse von Prototypen vorliegen. Mit Workstyle-Analysen zur Identifikation der Arbeitsweisen bestimmen wir oft als ersten Schritt der Transformation den exakten Startpunkt des Unternehmens. Kein Unternehmen hat im Gespür, wo es genau steht.“ Dieser Fortschritt sollte laut Bartz auch regelmäßig gemessen werden.

In welchen Geschäftsbereichen liegen die Anwendungsfelder für Digitalisierung?

Schmutzer: „Im HR-Umfeld wird noch viel passieren. Gesamte HR-Organisationen werden sich neu organisieren. Personalabteilungen müssen sich für ihre eigentliche Arbeit, wie Learning, Coaching, Entwicklung von Mitarbeitern freischaufeln. Die Rolle der HR in der Zukunft ist essentiell.

Im Vertrieb und Kundenservice sind aktuell Bots sehr beliebt, um mit dem Anstieg der Kommunikation zurecht zu kommen. Allerdings muss man im Vorfeld die Frage stellen, welche Teile der Customer Journeys automatisert werden sollen bzw. welche Teile bewusst nicht, um die Customer Experience zu erhöhen.“

Bartz: „Im öffentlichen Sektor benötigen wir dringend Automatisierung, denn 2025 – 2030 gehen 50% der Mitarbeiter in Pension. Dazu ist es nötig, predictive analytics aufzubauen. Insgesamt müssen Governance Systeme effizienter werden. So auch die Art, wie wir bezahlen. In Schweden werden derzeit schon 80% der Bezahlströme digital abgewickelt. 2025 -2030 wird dort Bargeld abgeschafft sein.“

„Man sollte nur das digitalisieren, was Sinn macht“

Bartz: „Man sollte das digitalisieren, was Sinn macht. Es geht darum, Dinge neu auszurichten und loszulassen. Neue Technologien und auch neue Wege zu beschreiten, wie zB. in der Automobilindustrie, wo es in Zukunft weniger um den Bau und Verkauf von Autos geht, sondern darum, multimodale Mobilitätservices im Dauerabo anzubieten. Das erfordert umfassende IT-Lösungen, was wiederum durch den Einsatz von Cloud-Lösungen relativ leicht fällt. So erübrigten sich auch Rechenzentren durch die Einführung von Cloud-Lösungen. IT ist jetzt eine Schlüsselposition, aber in anderer Hinsicht. Die IT und CIO’s werden von IT-Bereitstellern zu Business Enablern, die das Business hinterfragen und drei Schritte voraus denken müssen, um  die Richtung des Geschäfts mitzubestimmen.“

Wie wirkt sich Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und auf Employer Branding aus?

Bartz: „Jobs werden inhaltlich reichhaltiger. Routinetätigkeiten werden zunehmend automatisiert und brauchen nicht mehr oder nur noch selten die menschliche Hand. Die Jobs, die bleiben, und insbesondere die vielen Jobs, die derzeit ganz neu entstehen, sind diejenigen, die nicht von IT-Systemen oder auch KI-System übernommen werden können. Das sind Tätigkeiten, die insbesondere Kreativität, Querdenken, Umdenken erfordern. Im Sinne des Philosophen Frithjof Bergmann entstehen Jobs, die Menschen „wirklich wollen“. Das sind Jobs, die Menschen inhaltlich erfüllen und oft mit Leidenschaft angegangen werden.

Was Employer Branding angeht: Employer Branding im klassischen Sinne ist tot. Es lebe Employer Branding. Was ich damit meine ist, dass das Image eines Arbeitgebers heute nicht mehr durch Hochglanzbroschüren geprägt werden kann. Firmen müssen neue, innovative Arbeitsformen authentisch leben. Über Plattformen, wie z.B. kununu oder Glassdoor ist es vollständig transparent, wie es in Unternehmen zugeht. Firmen, die authentisch sind, werden in diesem System belohnt, und zwar damit, Talente, die man im Unternehmen haben möchte, anzuziehen und auch nachhaltig binden zu können.“

Wie lösen Unternehmen in agilen Organisationen Kommunikationsdefizite?

Schmutzer: „Wenn flexibel gearbeitet wird, ist Vernetzung umso wichtiger. Wenn Mitarbeiter an verschiedenen Standorten, beim Kunden, von zuhause aus arbeiten, brauchen sie Zugehörigkeit. Social Areas bilden sich bereits in der Architektur von Unternehmensräumlichkeiten ab, die mittlerweile sehr offen und großzügig gestaltet sind. Mitarbeiter möchten sich wie zuhause wohlfühlen. Soziale Netzwerke müssen etabliert und institutionalisiert werden. Gemeinsame Events wie auch Mittagessen sind wichtig. Für Unternehmen ist es einfach beim Essen anzuknüpfen, da es ein Grundbedürfnis des Menschen darstellt. Nichts ist einfacher, als Mitarbeiter übers Essen zu verbinden.“”

Quelle Bild und Text: https://www.spendit.de/magazin/new-work-new-lunch/

Zum spendit magazin: https://www.spendit.de/

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